Kellé

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Landgemeinde Kellé
Landgemeinde Kellé (Niger)
Landgemeinde Kellé (Niger)
Landgemeinde Kellé
Koordinaten 14° 17′ N, 10° 7′ OKoordinaten: 14° 17′ N, 10° 7′ O
Basisdaten
Staat Niger
Region Zinder
Departement Gouré
Einwohner 74.425 (2012)

Kellé ist eine Landgemeinde im Departement Gouré in Niger.

Lage und Gliederung

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Landschaft in Kellé (2023)

Kellé liegt in der Sahelzone. Im Gemeindegebiet von Kellé befindet sich das schroffe Gebirge Koutous, das von in der Regenzeit Wasser führenden Trockentälern durchzogen ist.[1] Die Nachbargemeinden sind Alakoss im Nordwesten, Tesker im Nordosten, Goudoumaria im Südosten, Gouré im Süden und Gamou im Westen.

Bei den Siedlungen im Gemeindegebiet handelt es sich um 71 Dörfer, 166 Weiler, 15 Lager und zwei Wasserstellen.[2] Der Hauptort der Landgemeinde ist das Dorf Kellé.[3] Es liegt auf einer Höhe von 433 m.[4]

In Kellé herrscht trockenes Wüstenklima vor. Die Niederschlagsmessstation im Hauptort wurde 1989 in Betrieb genommen.[5]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Doumbol (Gemeinde Kellé)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 19,6 22,9 27,0 31,2 33,0 32,7 30,3 28,3 30,2 29,4 24,8 20,4 27,5
Mittl. Tagesmax. (°C) 27,3 31,0 35,2 39,2 40,4 39,4 36,3 33,6 36,9 36,6 32,5 28,1 34,7
Mittl. Tagesmin. (°C) 12,4 15,3 18,6 22,5 24,7 25,8 25,2 24,0 24,1 22,3 17,6 13,5 20,5
Niederschlag (mm) 0 0 0 0 3 8 52 101 25 2 0 0 Σ 191
Sonnenstunden (h/d) 10,2 10,5 10,8 11,2 11,5 11,6 11,1 10,2 10,8 10,6 10,3 10,2 10,7
Regentage (d) 0 0 0 0 1 2 8 10 4 0 0 0 Σ 25
Luftfeuchtigkeit (%) 18 13 10 10 16 28 49 63 41 21 18 20 25,7
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
27,3
12,4
31,0
15,3
35,2
18,6
39,2
22,5
40,4
24,7
39,4
25,8
36,3
25,2
33,6
24,0
36,9
24,1
36,6
22,3
32,5
17,6
28,1
13,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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0
0
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52
101
25
2
0
0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

In der Gemeinde gibt es mehrere geschützte Wälder:

  • Forêt classée de Kellé (1.670 Hektar) beim Hauptort
  • Forêt classée d’Azoumba (675 Hektar) beim Dorf Azoumba
  • Forêt classée de Bariki (250 Hektar) beim Weiler Bariki
  • Forêt classée de Dalakaouri (244 Hektar) beim Dorf Dalakaouri
  • Forêt classée de Gadaboubi (280 Hektar) beim Dorf Gadaboubi
  • Forêt classée de Guirbo (2.560 Hektar) beim Dorf Guirbo
  • Forêt classée de Kaïgama (287 Hektar) beim Dorf Kaïgama
  • Forêt classée de Kanama (960 Hektar) beim Weiler Kanama
  • Forêt classée de Kaoutchouloum (395 Hektar) beim Dorf Kaoutchouloum
  • Forêt classée de Koura Baori (590 Hektar) beim Weiler Koura Baori
  • Forêt classée de Madja Ganglédi (443 Hektar) beim Dorf Madja Ganglédi
  • Forêt classée de Sananawa (9.700 Hektar) beim Weiler Sananawa[6]

Es wurden folgende Vogelarten beobachtet:

Folgende Schlangenarten wurden gesichtet:

Kellé wurde vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Atari Goumsoumi gegründet, einem Prinzen aus Bornu, der den Ort im abgelegenen Bergland von Koutous zu seinem Herrschaftssitz machte. Einer seiner Nachfolger, der ebenfalls Goumsoumi hieß und von 1835 bis 1843 regierte, hatte einen Neffen namens Kosso, der von Gouré aus die Provinz Mounio südlich von Kellé beherrschte. Goumsoumi war gezwungen, Kellé unter die Oberherrschaft Kossos zu stellen. Die Nachfolger Goumsoumis waren der von 1843 bis 1850 regierende May Abdou, der von 1850 bis 1858 regierende May Dokey und der von 1858 bis 1868 regierende May Moustafa.

Im Jahr 1861 ließ Ténimoun, der Sultan von Zinder, Kellé angreifen und May Moustafa gefangen nehmen. Kellé wurde nun Zinder tributpflichtig. Als May Moustafa 1868 von einer Abordnung aus Bornu getötet wurde, annektierte Sultan Ténimoun Kellé als Teil seines Reichs. Er setzte bald Statthalter im Ort ein, die Angehörige einer neuen Dynastie waren: von 1874 bis 1877 Koura, dem dessen Söhne im Amt nachfolgten, von 1877 bis 1881 May Madi und von 1881 bis 1884 May Melé. Sultan Sélimane, ein Nachfolger Sultan Ténimouns, überlegte die alte Dynastie wieder einzusetzen und schlug 1885 Ténimou, einem Sohn des getöteten May Moustafa, vor nach Kellé zurückzukehren. Der zog es jedoch vor im Exil in Bornu zu bleiben. So wurde ein Bruder May Melés, May Koutousma, der Koutousma Arati genannt wurde, bis 1890 Statthalter des Sultans in Kellé. In den darauffolgenden zehn Jahren wurde der Ort direkt von Zinder aus verwaltet. Erst im Jahr 1900 wurde ein Angehöriger der alten Dynastie Statthalter in Kellé: Mahamadou, ein Sohn May Dokeys.[10]

Der Ort fiel Anfang des 20. Jahrhunderts an Frankreich. Der britische Reiseschriftsteller A. Henry Savage Landor besuchte die Gegend 1906 bei seiner zwölfmonatigen Afrika-Durchquerung und passierte unter anderem den Weiler Sananawa. Er beschrieb große halbmondförmige Dünen, in denen sich oft Dörfer und gelegentlich ausgedehnte Hirsefelder befanden.[11] Der Markt von Kellé war einer der kleinen Märkte in der Region, die damals von der französischen Verwaltung zugelassen wurden.[12]

Die Landgemeinde Kellé ging als Verwaltungseinheit 2002 bei einer landesweiten Verwaltungsreform aus dem Kanton Kellé/Koutous hervor.

Bei der Volkszählung 2012 hatte die Landgemeinde 74.425 Einwohner, die in 13.549 Haushalten lebten.[2] Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 44.225 in 9.130 Haushalten.[13]

Im Hauptort lebten bei der Volkszählung 2012 1.799 Einwohner in 337 Haushalten,[2] bei der Volkszählung 2001 3.301 in 661 Haushalten[13] und bei der Volkszählung 1988 1.220 in 242 Haushalten.[14]

In Kellé leben Angehörige der vor allem Agropastoralismus betreibenden Kanuri-Untergruppe Dagara sowie der auf Fernweidewirtschaft spezialisierten Fulbe-Untergruppen Dabanko’en, Oudah’en, Tountoumankej und Wodaabe und Tuareg-Untergruppe Kanimatane.[15]

Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 19 gewählte Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 11 PNDS-Tarayya, 7 MNSD-Nassara und 1 RDR-Tchanji.[16]

Jeweils ein traditioneller Ortsvorsteher (chef traditionnel) steht an der Spitze von 65 Dörfern in der Gemeinde, darunter dem Hauptort.[2]

Wirtschaft und Infrastruktur

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Eine Wasserstelle im Koutous-Massiv in Kellé (2023)

Im Dorf Kringuim gibt es einen Viehmarkt. Der Markttag ist Dienstag.[17] In den Siedlungen Boultoumfoutem, Kaoutchouloum und Madja Ganglédi werden Wochenmärkte abgehalten.[18] Das staatliche Versorgungszentrum für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Materialien (CAIMA) unterhält eine Verkaufsstelle im Hauptort.[19] Beim Weiler Maïnari befindet sich auf einem Gebiet von 150 Hektar eine Zuchtfarm für Afrikanische Strauße. In der kühlereren Jahreszeit dient das Koutous-Massiv als Weideland für die Viehherden der transhumant lebenden Fulbe und Tuareg.[1]

Gesundheitszentren des Typs Centre de Santé Intégré (CSI) sind im Hauptort sowie in den Siedlungen Boudjouri, Boultoumfoutem, Gadjamni und Kringuim vorhanden.[20] Der CEG Kellé ist eine allgemein bildende Schule der Sekundarstufe des Typs Collège d’Enseignement Général (CEG).[21] Das Berufsausbildungszentrum Centre de Formation aux Métiers de Kellé (CFM Kellé) bietet Lehrgänge in Metallbau und familiärer Wirtschaft an.[22]

Die 187,5 Kilometer lange Nationalstraße 34 zwischen der Nationalstraße 11 und Gouré führt durch den Gemeindehauptort Kellé. Es handelt sich um eine einfache Erdstraße. Im Hauptort zweigt die 125 Kilometer lange Route 731 nach Tesker ab, eine einfache Piste.[23]

Persönlichkeiten

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  • Abdoul Kader Amadou Roufai: Exploitation agricole dans et aux alentours des cuvettes oasiennes du département de Gouré: Pratiques et améliorations possibles. Cas de Dounia Koura, Daguel et Gassafa. Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2014.
  • Maloum Mamadou Mado Arna: Rôle des ONG dans le processus de la décentralisation et du développement local. Cas de la commune rurale de Kellé, région de Zinder. Mémoire de Master II. Département de Géographie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2017.
  • Maïmounatou Ibrahim Mamadou: La perception de la population de Kellé par rapport aux autruches à cou rouge (Struthio camelus camelus). Mémoire. Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2012.
  • Denis Retaille: La mise en place d’une région en Afrique sahélienne autour du Koutous (Niger oriental). In: Chantal Blanc-Pamard, Joël Bonnemaison, Jean Boutrais, Veronique Lassailly-Jacob, André Lericollais (Hrsg.): Le développement rural en questions. Paysages, espaces ruraux, systèmes agraires. Maghreb – Afrique noire – Mélanésie (= Mémoires ORSTOM. Nr. 106). ORSTOM, Paris 1984, ISBN 2-7099-0720-8, S. 81–203 (horizon.documentation.ird.fr [PDF]).
Commons: Kellé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b Jean-Paul Labourdette, Dominique Auzias: Niger 2009. Nouvelle édition de l’Université, Paris 2009, ISBN 2-7469-1640-1, S. 152.
  2. a b c d Répertoire National des Localités (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique, République du Niger, Juli 2014, S. 592–598, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 2. April 2023 (französisch).
  3. Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux. République du Niger, 11. Juni 2002.
  4. Julien Rechenmann: Catalogue des stations gravimétriques réoccupables en Afrique Occidentale. Mesures effectuées de 1953 à 1965. ORSTOM, Bondy 1966, S. 105 (core.ac.uk [PDF; abgerufen am 9. Oktober 2022]).
  5. Evaluation Hydrologique de l’Afrique Sub-Saharienne. Pays de l’Afrique de l'Ouest. Rapport de Pays: Niger. Mott MacDonald International / BCEOM / SOGREAH / ORSTOM, Cambridge / Montpellier / Grenoble August 1992, Annexe E: Liste des postes pluviométriques, S. 8 (horizon.documentation.ird.fr [PDF; abgerufen am 19. März 2022]).
  6. Plan Forestier National (PFN-Niger) 2012–2021. Version finale. Annexe n°1 : Situation des forêts au Niger. (PDF) Ministère de l’Hydraulique et de l’Environnement, März 2012, S. xvii, abgerufen am 15. Mai 2021 (französisch).
  7. a b Observations for location Kéllé ferme d’autruches. In: West African Bird DataBase. Abgerufen am 7. Februar 2024 (englisch).
  8. Observations for location Kéllé village. In: West African Bird DataBase. Abgerufen am 7. Februar 2024 (englisch).
  9. Jean-François Trape, Youssouph Mané: The snakes of Niger. In: Amphibian & Reptile Conservation. Volume 9, Nr. 2, 2015, S. 41–42, 44–45 und 47–48 (amphibian-reptile-conservation.org [PDF; abgerufen am 7. Februar 2024]).
  10. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 126–127.
  11. A. Henry Savage Landor: Across Widest Africa. An Account of the Country and People of Eastern, Central and Western Africa As Seen During a Twelve Months' Journey From Djibuti To Cape Verde. Volume II. Hurst and Blackett, London 1907, S. 300 (archive.org [abgerufen am 13. März 2021]).
  12. Hassane Gandah Nabi: Commerçants et entrepreneurs du Niger (1922–2006). L’Harmattan, Paris 2013, ISBN 978-2-336-29136-9, S. 38.
  13. a b Répertoire National des Communes (RENACOM). (RAR) Institut National de la Statistique, République du Niger, archiviert vom Original am 2. Februar 2012; abgerufen am 2. April 2023 (französisch).
  14. Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S. 374 (web.archive.org [PDF; abgerufen am 4. Mai 2019]).
  15. La mobilité pastorale dans la Région de Zinder. Stratégies et dynamisme des sociétés pastorales. (PDF) Ministère de l’élevage et des industries animales, République du Niger, 2009, S. 31–33, archiviert vom Original am 13. Juli 2010; abgerufen am 15. Mai 2021 (französisch).
  16. Résultats élections – Communales. Commission Électorale Nationale Indépendante, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. Januar 2021; abgerufen am 2. Januar 2021 (französisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ceniniger.org
  17. Mahamadou Saley, Yatta Paul Maurice Mohamed: Projet Régional d’Appui au Pastoralisme au Sahel (PRAPS). Etude diagnostique des Systèmes d’Information sur les marchés à bétail du Burkina Faso, du Mali, de la Mauritanie, du Niger, du Sénégal et du Tchad. Rapport Définitif. (PDF) CILSS, November 2016, archiviert vom Original am 17. Mai 2017; abgerufen am 8. Februar 2024 (französisch).
  18. Denis Retaille: La mise en place d’une région en Afrique sahélienne autour du Koutous (Niger oriental). In: Chantal Blanc-Pamard, Joël Bonnemaison, Jean Boutrais, Veronique Lassailly-Jacob, André Lericollais (Hrsg.): Le développement rural en questions. Paysages, espaces ruraux, systèmes agraires. Maghreb – Afrique noire – Mélanésie (= Mémoires ORSTOM. Nr. 106). ORSTOM, Paris 1984, ISBN 2-7099-0720-8, S. 188 und 200 (horizon.documentation.ird.fr [PDF; abgerufen am 15. Mai 2021]).
  19. CAIMA. In: Béret Vert. Bulletin de Liaison et d’Information des Forces Armées Nigériennes. Nr. 17, Mai 2013, S. 28.
  20. Niger DSS. In: Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS). Ministère de la Santé Publique, République du Niger, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  21. Niger – Recensement Scolaire 2008–2009, Enquête statistique. Dictionnaire des donnèes. Institut National de la Statistique de la République du Niger, 28. November 2013, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 10. November 2020 (französisch).@1@2Vorlage:Toter Link/anado.ins.ne (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  22. CFM (Centre de Formation aux Métiers) de Kellé. Ministère des Enseignements Professionnels et Techniques, République du Niger, abgerufen am 18. November 2020 (französisch).
  23. Sahia Ibrahim Baoulé Balarabé, Seyni Soumana Samba, Guillaume Poirel: Annuaire Statistique du Ministère de l’Équipement 2016–2020. Edition 2021. Annexe 1: Répertoire des routes. (PDF) Institut National de la Statistique (INS) du Niger, November 2021, S. 65–73, abgerufen am 2. April 2023 (französisch).