Bundesverband evangelische Behindertenhilfe

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Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) ist ein „Fachverband für Teilhabe“ im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Sitz in Berlin. Der Verband fördert, unterstützt und begleitet Einrichtungen und Dienste der Hilfe für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung und deren Angehörige. Er gibt als Dachverband dieser Einrichtungen Stellungnahmen zur Situation der von ihm Vertretenen, zur Rechtslage und zu behindertenpolitischen Forderungen des Verbandes heraus. In Absprache mit anderen großen Sozialverbänden betreibt der BeB auch Lobbyarbeit (siehe den Unterpunkt Grundlegende Positionierungen im Abschnitt #Weblinks).

Der BeB wurde im Jahr 1998 gegründet als Fusion vom Verband evangelischer Einrichtungen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung e.V. (VEEMB) mit dem Verband Evangelischer Einrichtungen für die Rehabilitation Behinderter e.V. (VEERB). Beide Verbände können auf eine mehr als einhundertjährige Geschichte in der evangelischen Behindertenhilfe zurückblicken.

Der BeB ist ein Zusammenschluss von rechtlich selbstständigen Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Sozialpsychiatrie innerhalb des Diakonischen Werkes. Weitere Mitglieder des Verbandes sind rechtlich selbstständige Vereinigungen und Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung. Dem BeB gehören gegenwärtig 276 Institutionen mit etwa 600 Teileinrichtungen an, in denen mehr als 80.000 Menschen angestellt sind.[1]

Die Einrichtungen und Dienste des BeB erreichen mehr als 100.000 Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung aller Altersstufen und Behinderungsgrade.

Satzungsmäßige Organe des BeB sind

  • die Mitgliederversammlung, der zurzeit 276 Institutionen mit 465 Wahlstimmen angehören. Je nach Größe kann eine Institution bis zu vier Stimmen haben.
  • der aus elf Mitgliedern bestehende Vorstand.
  • der Vorsitzende, der für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt wird.

Gegenwärtiger Vorsitzender des BeB ist seit 2014 Pastor Uwe Mletzko, Vorstandssprecher des Vereins für Innere Mission in Bremen.[1]

Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich in Berlin.

Die unter dem Dach des BeB vertretenen Angebote sind ambulant, teilstationär und stationär. Dazu zählen

  • Beratung
  • persönliche Unterstützung in der eigenen Wohnung
  • Tagesförderangebote
  • Wohngruppen und Wohnheime
  • Fachkrankenhäuser
  • Rehabilitations- und Kurkliniken
  • Werkstätten für behinderte Menschen
  • Integrationsfirmen und -fachdienste
  • Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke
  • Phase-II-Einrichtungen
  • Integrations- und Förderkindergärten und -schulen
  • Beratungs- und Therapiezentren
  • sozialpsychiatrische Dienste
  • Übergangseinrichtungen.

Vom 8. bis 11. Februar 2009 veranstaltete der BeB in Rheinsberg seinen 2. Kongress für Menschen mit Behinderung und Assistenten unter dem Motto „Einmischen – Mitmischen – Selbstmachen – Da sind wir wieder!“ Zu diesem Kongress gibt es eine kurze Videodokumentation auf Youtube.[2] Auch der 1. Kongress fand bereits 2006 in Rheinsberg statt.[3] Der 5. Kongress im Jahr 2018 fand unter dem Motto „Du + Ich = Wir bewegen Politik!“ statt und es kamen 230 Menschen mit Handicaps um sich über Themen aus dem Alltag und der Politik auszutauschen.[1]

Der BeB ist Herausgeber von zwei Fachzeitschriften:

  • Die Orientierung, eine Fachzeitschrift im Arbeitsfeld Behindertenhilfe, erscheint viermal pro Jahr mit einer Auflage von 5500 Exemplaren[4]. Die Zeitschrift geriet 2010 durch einen offenen Brief von Diakoniemitarbeitern unter Unterstützung von Gemeindehilfsbund und Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB) in die Kritik. Dort würde in einer seit dem Jahr 2003 andauernden Kampagne, besonders in den Heften 02/2003 und 02/2009 „Prostitution [als] ‚heilige Handlung im Auftrag der Göttin‘ und als ‚christlicher‘ Beruf“ propagiert.[5][6][7]
  • Die seit 1983 bundesweit erscheinende Fachzeitschrift im Arbeitsfeld der Sozialpsychiatrie, die Kerbe, ebenfalls viermal pro Jahr mit einer Auflage von 1500 Exemplaren.[8]

Weitere Fachpublikationen des BeB sind (Auswahl):

  • Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. u. a. (Hrsg.): Beratung und Begleitung bei pränataler Diagnostik. Empfehlungen an evangelische Dienste und Einrichtungen für eine geregelte Kooperation. Eigenverlag 2009.
  • Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (Hrsg.): Tanzen mit dem lieben Gott – Fragen an das eigene Leben. Gütersloh 2009. ISBN 978-3-579-06826-8
  • Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. mit den Fachverbänden der Behindertenhilfe, der Software AG und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Hrsg.): Segel setzen – Aufbruch zum selbstbestimmten Ruhestand von Menschen mit Behinderung. Marburg 2009. ISBN 978-3-910095-76-2
  • Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V., Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (Hrsg.): PPQ – ProPsychiatrieQualität. Handbuch zur Qualitätsentwicklung in der Sozialpsychiatrie (mit CD-ROM). Neuauflage. Bonn 2009. ISBN 978-3-88414-474-9
  • Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (Hrsg.): Schau doch meine Hände an. Sammlung einfacher Gebärden zur Kommunikation mit nichtsprechenden Menschen (Ringbuch und DVD als Set). 1. vollständige Neuauflage. Reutlingen 2007. ISBN 978-3-938306-13-0
  • Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V., Fachverband des Diakonischen Werkes der EKD (Hrsg.): Materialien zur Werkstatt für behinderte Menschen, Band A: Rechtliche Grundlagen. Reutlingen 2003. ISBN 978-3-930061-79-2

Grundlegende Positionierungen

Einzelnachweise

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  1. a b c Trotz Behinderung mitmischen. Abgerufen am 29. Juni 2018 (deutsch).
  2. Dokumentation 2. Kongress für Menschen mit Behinderung 2009 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  3. Dokumentation 1. Kongress für Menschen mit Behinderung 2006 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  4. Porträt der Orientierung
  5. Kurt J. Heinz in Medrum: Sexueller Mißbrauch oder „heilige Handlung im Auftrag der Göttin“? - Bezahlte Dienste im Diakonischen Werk der EKD: „Ich masturbiere ihn, bis er einen Samenerguß hat“ vom 15. April 2010.
  6. Wolfhard Wüster und andere Diakoniemitarbeiter: Aufforderung zum sexuellen Missbrauch in der Diakonie? – Das Schweigen muss gebrochen werden! (Memento vom 19. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 649 kB) vom 24. März 2010.
  7. Materialsammlung zur Sexuellen Assistenz (Memento vom 20. Juli 2014 im Internet Archive) beim KSBB.
  8. Informationen zur Kerbe (Memento vom 5. Mai 2006 im Internet Archive)